Was ist Seekrankheit?
Seekrankheit (medizinisch: Kinetose) entsteht, wenn Ihr Gehirn widerspruechliche Signale erhaelt: Die Augen melden eine ruhige Umgebung (z.B. im Innenraum der Faehre), waehrend das Gleichgewichtsorgan im Innenohr die Schiffsbewegungen registriert. Dieser sensorische Konflikt loest Uebelkeit, Schwindel und Unwohlsein aus.
Auf der Calais-Dover-Route dauert die Ueberfahrt nur rund 90 Minuten. Das ist vergleichsweise kurz. Bei ruhiger See spueren die meisten Passagiere kaum Bewegung. Bei aufgewuehltem Wasser (ab Windstaerke 5-6) koennen aber auch erfahrene Reisende Symptome entwickeln.
Typischer Symptomverlauf:
Phase 1: Unwohlsein (nach 10-20 Min.)
Gaehnen, leichte Muedigkeit, flaues Gefuehl im Magen
Phase 2: Uebelkeit (nach 20-40 Min.)
Kalter Schweiss, Blaesse, verstaerkter Speichelfluss
Phase 3: Akutphase (ab 40 Min.)
Erbrechen, starker Schwindel, Erschoepfung
Die gute Nachricht: Bei einer 90-Minuten-Ueberfahrt erreichen die wenigsten Betroffenen Phase 3, und mit den richtigen Vorkehrungen laesst sich Seekrankheit in den meisten Faellen verhindern.
Wer ist besonders anfaellig?
- Migraene-Patienten
- Schwangere
- Kinder (2-12 Jahre)
- Personen mit Reisekrankheit im Auto
- Erstfahrer auf Faehren
- Uebermuedet oder verkatert Reisende
Ihr persoenlicher Seekrankheits-Risikotest
Klicken Sie alle zutreffenden Faktoren an:
Vorbeugung: Der richtige Zeitplan
Die beste Strategie gegen Seekrankheit beginnt schon am Vorabend. Hier ist Ihr Fahrplan fuer eine beschwerdefreie Ueberfahrt:
Vorabend
- Ausreichend schlafen (mindestens 7 Stunden)
- Keinen oder nur wenig Alkohol trinken
- Leichtes Abendessen, keine schweren oder fettigen Speisen
2 Stunden vor Abfahrt
- Leichtes Fruehstueck (z.B. Toast, Banane, Zwieback)
- Viel Wasser trinken (kein leerer Magen, aber auch nicht vollgestopft)
- Medikamente bereitlegen
30-60 Minuten vor Abfahrt
- Reisetablette einnehmen (z.B. Vomex, laut Beipackzettel)
- Ingwertee oder Ingwerkapseln als natuerliche Ergaenzung
- Akupressur-Armband anlegen (optional)
Waehrend der Ueberfahrt
- Horizont fixieren (z.B. am Fenster oder an Deck)
- Frische Luft auf dem Aussendeck einatmen
- Kleine Schlucke Wasser trinken
- Nicht lesen und nicht aufs Handy schauen – das verstaerkt den sensorischen Konflikt
Medikamente und Hausmittel
Diese Mittel sind bei Seekrankheit am weitesten verbreitet und haben sich in Studien als wirksam erwiesen:
Dimenhydrinat (z.B. Vomex A, Reisetabletten) Rezeptfrei
Wirkung: Antihistaminikum, blockiert Uebelkeitssignale im Brechzentrum des Gehirns.
Einnahme: 30-60 Minuten vor Abfahrt. Dosierung laut Beipackzettel (Erwachsene: meist 50 mg).
Nebenwirkungen: Muedigkeit und Mundtrockenheit sind haeufig. Kann die Fahrtuechtigkeit beeintraechtigen.
Fuer Kinder: Spezielle Kinderdosierung beachten; Sirup oder Zaepfchen erhaeltlich.
Scopolamin (Scopoderm TTS Pflaster) Verschreibungspflichtig
Wirkung: Pflaster hinterm Ohr, gibt den Wirkstoff gleichmaessig ueber Stunden ab. Eines der wirksamsten Mittel gegen Seekrankheit.
Anwendung: Mindestens 5-6 Stunden vor der Fahrt aufkleben. Wirkt bis zu 72 Stunden.
Nebenwirkungen: Mundtrockenheit, Sehstoerungen, Schlaefigkeit. Nicht fuer Kinder unter 10 Jahren.
Hinweis: Nur mit aerztlichem Rezept erhaeltlich. Rechtzeitig vor der Reise besorgen.
Ingwer (Kapseln, Tee oder frisch) Natuerlich
Wirkung: Die enthaltenen Gingerole und Shogaole wirken beruhigend auf den Magen-Darm-Trakt. Mehrere Studien bestaetigen eine moderate Wirksamkeit gegen Uebelkeit.
Einnahme: 1-2 g Ingwerpulver in Kapselform oder 2-3 Tassen frischen Ingwertee vor und waehrend der Fahrt.
Nebenwirkungen: Kaum vorhanden. Gelegentlich leichtes Sodbrennen bei empfindlichem Magen.
Foto: Korea.net / Wikimedia / CC BY-SA 2.0
Die besten Plaetze an Bord
Die Schiffsbewegungen sind nicht ueberall gleich stark. Allgemeine Regel: je mittiger und tiefer, desto ruhiger.
Beste Plaetze
- Mittschiffs, untere Decks
- Fensterplatz mit Blick auf den Horizont
- Naehe der Stabilisatoren (Schiffsmitte)
Akzeptabel
- Obere Decks, aber mittig
- Lounge- und Restaurant-Bereich
- Aussendeck (frische Luft gleicht aus)
Vermeiden
- Bug (vorne) und Heck (hinten)
- Oberste Decks an den Seiten
- Fensterlose Innenraeume
Foto: Andy Li / Wikimedia / CC0
Frische Luft ist der beste Freund
Das Aussendeck ist bei leichter Uebelkeit oft der beste Ort. Frische Seeluft und der freie Blick auf den Horizont helfen dem Gleichgewichtssinn, sich zu orientieren. Auf den Calais-Dover-Faehren gibt es grosse Aussendecks auf mehreren Ebenen – auch bei kuehlerem Wetter lohnt sich ein kurzer Gang nach draussen.
SOS-Tipps bei akuter Seekrankheit
Wenn die Uebelkeit bereits da ist, handeln Sie schnell:
Sofortmassnahmen:
- Raus an die frische Luft – gehen Sie ans Aussendeck
- Horizont fixieren – gibt dem Gleichgewichtsorgan einen stabilen Bezugspunkt
- Kuehles Wasser ins Gesicht und auf die Handgelenke
- Hinlegen falls Sie eine Kabine haben (Augen schliessen)
- Langsam atmen – die 4-7-8 Atemtechnik beruhigt das vegetative Nervensystem
Was ausserdem hilft:
- Eiswuerfel lutschen
- Pfefferminzoel unter die Nase reiben
- An einem gruenen Apfel riechen
- Akupressurpunkt P6 druecken (Innenseite des Unterarms, ca. 3 Fingerbreit ueber dem Handgelenk)
- Crew ansprechen – an Bord gibt es Spucktueten und die Besatzung kann helfen
Karte: Die Ueberfahrt Calais-Dover
Die Strecke durch den Aermelkanal ist etwa 34 Kilometer (21 Seemeilen) lang. Die engste Stelle zwischen Frankreich und England – die Strasse von Dover – ist eine der meistbefahrenen Wasserstrassen der Welt.
Die Faehren verkehren zwischen dem Hafen Calais (Frankreich) und dem Hafen Dover (England).