Die Überfahrt über den Ärmelkanal dauert je nach Anbieter 90 bis 100 Minuten und ist für die allermeisten Passagiere problemlos. Mit unseren bewährten Tipps können Sie Seekrankheit effektiv vorbeugen oder lindern.
Die 5 wichtigsten Schnelltipps
Leichte Mahlzeit 1-2 Stunden vor Abfahrt. Niemals mit leerem oder zu vollem Magen fahren!
Gehen Sie auf das Außendeck. Der frische Wind und der Blick auf den Horizont wirken Wunder.
Die Schiffsmitte auf mittleren Decks hat die geringsten Bewegungen. Meiden Sie Bug und Heck!
Schauen Sie durch die Fenster auf den Horizont oder gehen Sie an Deck. Vermeiden Sie Lesen oder Handynutzung.
Ingwertee, -bonbons oder -kapseln 30 Minuten vor Abfahrt. Wissenschaftlich bewährtes Naturmittel!
Medikamente gegen Seekrankheit
Für empfindliche Personen empfehlen wir folgende Präparate (30-60 Min. vor Abfahrt einnehmen):
Dimenhydrinat (Vomex A) Rezeptfrei
- Wirkung: Blockiert Brechreiz im Gehirn
- Dosierung: 50-100 mg vor Fahrt
- Nebenwirkung: Müdigkeit, eingeschränkte Fahrtüchtigkeit
Scopolamin (Scopoderm TTS) Verschreibungspflichtig
- Wirkung: Pflaster, wirkt bis zu 72 Stunden
- Anwendung: 5-6 Std. vorher hinter das Ohr kleben
- Nebenwirkung: Mundtrockenheit, Sehstörungen möglich
Ingwer-Präparate Natürlich
- Wirkung: Beruhigt den Magen auf natürliche Weise
- Dosierung: 1-2 g Ingwerpulver oder frischer Ingwertee
- Vorteil: Keine Müdigkeit, auch für Schwangere geeignet
Akupressur-Armbänder Nebenwirkungsfrei
- Wirkung: Druck auf den P6-Punkt am Handgelenk
- Anwendung: 3 Finger breit vom Handgelenk
- Vorteil: Wiederverwendbar, keine Nebenwirkungen
Die besten Plätze an Bord
Deck-Empfehlungen:
- Beste Wahl: Mittlere Decks in Schiffsmitte – hier sind die Schwankungen am geringsten
- Gut: Außendeck für frische Luft und freie Sicht auf den Horizont
- Vermeiden: Obere Decks bei Sturm (mehr Bewegung durch größeren Hebel)
- Vermeiden: Untere Decks ohne Fenster (fehlende visuelle Orientierung)
Verhaltenstipps während der Überfahrt
Das sollten Sie tun:
- In Fahrtrichtung sitzen
- Horizont oder ferne Punkte fixieren
- Regelmäßig kleine Schlucke Wasser trinken
- Frische Luft auf dem Außendeck genießen
- Entspannt atmen (4-7-8 Technik: 4 Sek. einatmen, 7 halten, 8 ausatmen)
- Leichte Snacks essen (Cracker, Äpfel)
- Mit anderen Passagieren unterhalten – Ablenkung hilft
Das sollten Sie vermeiden:
- Lesen oder auf das Handy schauen
- In geschlossenen Räumen ohne Fenster aufhalten
- Alkohol oder Kaffee vor und während der Fahrt trinken
- Schwere, fettige Mahlzeiten essen
- Starke Gerüche (Parfüm, intensives Essen)
- Rückwärts zur Fahrtrichtung sitzen
- Sich im Bug oder Heck aufhalten
SOS: Wenn die Übelkeit bereits da ist
Sofortmaßnahmen bei akuter Seekrankheit:
- Sofort an Deck gehen – Frische Luft ist essentiell
- Horizont fixieren – Stabilisiert das Gleichgewichtsorgan
- Kaltes Wasser – Gesicht und Handgelenke kühlen
- Eiswürfel lutschen – Beruhigt den Magen
- Pfefferminz – Bonbon lutschen oder Öl unter die Nase reiben
- Hinlegen – Falls Kabine vorhanden, Augen schließen und ruhig atmen
- Atemübung – 4 Sek. einatmen, 7 Sek. halten, 8 Sek. ausatmen
Tipp: Die Crew ist erfahren im Umgang mit seekranken Passagieren. Sprechen Sie das Personal ruhig an – sie können Ihnen einen ruhigen Platz zeigen und haben oft hilfreiche Tipps.
Tipps für spezielle Gruppen
Kinder
- Ablenkung durch Spiele, Geschichten erzählen (keine Bildschirme!)
- Lieblingsspielzeug und vertraute Gegenstände mitbringen
- Vomex-Saft oder Zäpfchen – Dosierung nach Alter und Gewicht beachten
- Regelmäßig an die frische Luft gehen
Schwangere
- Ingwer ist unbedenklich und besonders wirksam gegen Schwangerschaftsübelkeit
- Akupressur-Armbänder sind eine gute medikamentenfreie Option
- Vitamin B6 kann zusätzlich helfen
- Medikamente nur nach ausdrücklicher Rücksprache mit dem Arzt
Hunde auf der Fähre
- 30 Minuten vor Abfahrt nicht mehr füttern
- Spezielle Reisetabletten vom Tierarzt verschreiben lassen
- Bei P&O Ferries: Die Pet Lounge (ab 12 GBP) bietet Platz für Hunde mit Zugang zum Außenbereich
- Vertraute Decke oder Körbchen mitnehmen
Wann ist der Ärmelkanal am ruhigsten?
Wer zu Seekrankheit neigt, sollte nicht nur die richtige Tablette einpacken, sondern auch die Reisezeit klug wählen. Der Ärmelkanal hat ein ausgeprägtes Eigenklima, und der Unterschied zwischen einem ruhigen Juliübergang und einer Dezemberüberfahrt ist erheblich.
| Monat | Typische Windstärke | Für Seekranke | Empfehlung |
|---|---|---|---|
| Juni – August | Bft 2–4 | Ruhig | Beste Monate, Stabilisatoren kaum nötig |
| April – Mai | Bft 3–5 | Mäßig | Meist problemlos, gelegentliche Windspitzen |
| September – Oktober | Bft 4–6 | Wechselhaft | Herbststürme beginnen, Wetterbericht prüfen |
| November – März | Bft 5–8 | Rau | Sturmsaison – Vomex unbedingt einpacken |
Mein persönliches Fazit aus vielen Überfahrten: Im Juli oder August brauchen Sie kaum über Seekrankheit nachzudenken. Der Kanal liegt oft spiegelglatt, die Fähre macht keine spürbaren Bewegungen, und auf dem Außendeck sitzt man in der Sonne. Im November dagegen habe ich schon Überfahrten erlebt, bei denen sich selbst erfahrene Kanalpendler diskret hinter die Reling gelehnt haben.
P&O oder DFDS: Welche Fähre schaukelt weniger?
Eine Frage, die viele Erstfahrer beschäftigt: Macht es einen Unterschied, ob man mit P&O oder DFDS fährt? Ja, tatsächlich gibt es einen messbaren — wenn auch im Alltag selten entscheidenden — Unterschied.
P&O Ferries: Spirit of Britain
- Tonnage: ca. 47.592 BRT
- Länge: 213 m
- Stabilisatoren: aktive Rollstabilisatoren
- Urteil: Größtes Schiff auf der Route — mehr Masse bedeutet weniger spürbare Bewegung bei Seegang
DFDS: Côte des Dunes / Côte d'Opale
- Tonnage: ca. 25.000–35.000 BRT
- Stabilisatoren: eingebaut
- Urteil: Komfortables Schiff; bei starkem Seegang minimal beweglicher als die Spirit of Britain
Fazit: Bei normalem Wetter ist der Unterschied zwischen P&O und DFDS kaum zu spüren. Wer besonders empfindlich ist und die Wahl hat, bucht einen P&O-Abgang auf der Spirit of Britain — das Schiff ist mit Abstand das größte und schwerste auf der Strecke. Praktisch wichtiger als die Wahl des Anbieters ist jedoch der Abfahrtszeitpunkt: Frühere Überfahrten (morgens) liegen oft ruhiger als Nachmittagsfahrten, weil der Wind im Tagesverlauf auffrischen kann.
Häufige Fragen zur Seekrankheit
Wie lange dauert die Überfahrt Calais-Dover?
Die Überfahrt dauert je nach Anbieter 90 bis 100 Minuten. P&O Ferries benötigt etwa 90 Minuten, DFDS rund 100 Minuten für die Strecke.
Welches Medikament hilft am besten gegen Seekrankheit?
Scopolamin-Pflaster (Scopoderm TTS, verschreibungspflichtig) gelten als besonders wirksam. Rezeptfrei ist Dimenhydrinat (Vomex A) eine bewährte Option, kann aber müde machen. Wer keine Medikamente nehmen möchte, greift zu Ingwer-Präparaten.
Kann ich nach der Überfahrt sofort Auto fahren?
Nach schwerer Seekrankheit sollten Sie 30 bis 60 Minuten pausieren. Besonders nach Einnahme von Dimenhydrinat (Vomex) kann die Reaktionsfähigkeit eingeschränkt sein. Planen Sie die Wartezeit ein, bevor Sie auf den britischen Linksverkehr treffen.
Wird es auf der Fähre sehr schaukeln?
Die meisten Überfahrten verlaufen ruhig. Moderne Fähren haben Stabilisatoren, die Schwankungen deutlich reduzieren. Bei normalem Wetter merken viele Passagiere den Seegang kaum. Nur bei Stürmen ab Windstärke 8 kann es ungemütlich werden – solche Überfahrten werden manchmal auch gestrichen.
Hilft Ingwer wirklich gegen Seekrankheit?
Ja, die Wirkung von Ingwer gegen Übelkeit ist in mehreren Studien belegt. Am besten 30 Minuten vor Abfahrt als Tee, Kapsel oder Bonbon einnehmen. Ingwer hat keine Nebenwirkungen und ist auch für Schwangere geeignet.
Wo sitze ich am besten auf der Fähre?
Mittschiffs auf einem mittleren Deck ist die ruhigste Zone. Dort sind die Schiffsbewegungen am geringsten. Meiden Sie Bug (vorne) und Heck (hinten), da dort die Schwankungen stärker sind. Bei gutem Wetter ist das Außendeck ideal.
In welchem Monat ist die Überfahrt Calais-Dover am ruhigsten?
Juni, Juli und August sind die ruhigsten Monate auf dem Ärmelkanal. Der Seegang liegt dann meist bei Windstärke 2 bis 4, und die Fähren laufen fast ohne spürbare Schwankungen. November bis Februar ist die Sturmsaison: Windstärken von 6 bis 8 sind keine Seltenheit, Verspätungen und Überfahrtstreichungen kommen vor. Empfindliche Personen sollten in dieser Jahreszeit immer Medikamente dabei haben.
Ist P&O oder DFDS ruhiger bei Sturm?
P&O's Spirit of Britain ist mit ca. 47.000 BRT das größte Schiff auf der Route — mehr Masse bedeutet weniger spürbare Bewegung. Bei starkem Seegang hat sie gegenüber den DFDS-Fähren einen kleinen Stabilitätsvorteil. Bei normalem Wetter ist der Unterschied praktisch nicht zu spüren. Wichtiger als die Wahl des Anbieters ist der Abfahrtszeitpunkt: Frühe Überfahrten (morgens) sind oft ruhiger als Nachmittagsfahrten.
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