Das Wichtigste vorab
Wild Camping ist in Schottland legal. Der Land Reform (Scotland) Act 2003 und der darauf basierende Scottish Outdoor Access Code gewaehren ein Zugangsrecht zur Natur, das auch das Uebernachten im Zelt einschliesst. In England und Wales ist Wild Camping dagegen weitgehend nur auf Dartmoor (mit Einschraenkungen) und in bestimmten Gebieten gestattet.
Was ist das Right to Roam?
Der Land Reform (Scotland) Act trat 2003 in Kraft und verankert ein gesetzliches Zugangsrecht zu den meisten Flaechen in Schottland. Im Gegensatz zu einem blossen Gewohnheitsrecht ist es ein echtes Gesetz: Ihr duerft die Natur zu Fuss, mit dem Rad oder per Kanu betreten und dort auch zelten – sofern ihr euch an den Scottish Outdoor Access Code haltet.
Der Access Code baut auf drei Saeulen auf:
- Respekt fuer andere: Ruecksicht auf Anwohner, Land- und Forstwirte
- Schutz der Umwelt: Keine Schaeden an Vegetation, Boden oder Gewaessern
- Verantwortung fuer die eigene Sicherheit: Vorbereitung, Ausruestung, Wetterbericht
Die wichtigsten Regeln beim Wild Camping
- Kleine Gruppen: maximal 2–3 Zelte, maximal 2–3 Naechte am selben Ort
- Abstand zu Haeusern, Strassen und landwirtschaftlichen Gebaeuden halten (Faustregel: Sichtweite meiden)
- Keinen Muell zuruecklassen – auch Bananenschalen und Teebeutel mitnehmen
- Offenes Feuer nur auf mineralischem Untergrund (Kies, Sand), nie auf Torf oder Gras – besser ganz darauf verzichten
- Toilettengang: mindestens 30 Meter von Gewaessern entfernt, Loch von mindestens 15 cm Tiefe graben und zudecken
- Nicht auf eingezaeunten Feldern, in Gaerten oder auf Schulgelaenden zelten
- Weidevieh und Wildtiere nicht stoeren; Hunde an der Leine halten
Saisonale Einschraenkungen
Loch Lomond & The Trossachs: Von Maerz bis September gelten in bestimmten Camping Management Zones Sonderregeln. Ihr braucht dort ein Permit (buchbar ueber die Website des Nationalparks, ca. 3–4 £ pro Nacht). Ohne Permit drohen Bussgelder. Auch am East Loch Lomond gelten striktere Auflagen.
Hirschjagd-Saison: Zwischen August und Oktober kann es in Jagdgebieten Einschraenkungen geben. Informiert euch vorab auf outdooraccess-scotland.scot oder der Hillphones-Website.
Die besten Wild Camping Spots in Schottland
Isle of Skye
Der Quiraing, der Old Man of Storr und die Fairy Pools bieten dramatische Kulissen zum Zelten. Am besten abseits der Parkplaetze campen, da die populaeren Spots schnell voll werden.
Mittelschwer
Glen Coe
Eines der fotogensten Taeler Schottlands. Wildcampen entlang des River Coe oder an der Lost Valley. Wetterwechsel koennen hier innerhalb von Minuten dramatisch ausfallen.
Anspruchsvoll
Loch Lomond
Gut erreichbar, viele Spots entlang des West Highland Way. Beachtet die Permit-Pflicht in den Camping Management Zones (Maerz–September). Die ruhigere Ostseite ist ein guter Tipp.
EinfachCairngorms National Park
Schottlands groesster Nationalpark mit endlosen Hochebenen. Ideal fuer erfahrene Wildcamper. Im Sommer koennen Midges hier besonders intensiv sein.
AnspruchsvollAssynt & Coigach
Unberuehrte Wildnis im Nordwesten mit markanten Bergen wie Suilven, Stac Pollaidh und hunderten kleiner Lochs. Wenig besucht, dafuer umso eindrucksvoller.
MittelschwerKintyre Peninsula
Ruhige Kueste im Suedwesten: einsame Straende, Sonnenuntergaenge ueber dem Atlantik und kaum andere Camper. Auch fuer Einsteiger gut geeignet.
EinfachKarte: Wildcamping-Regionen in Schottland
Die Karte zeigt die schottischen Highlands. Wildcampen ist in fast ganz Schottland erlaubt – die genannten Spots liegen alle in diesem Gebiet. Groessere Karte ansehen
Packliste fuers Wild Camping in Schottland
Unterkunft & Schlaf
- Zelt (wind- und wasserfest, mind. 3.000 mm Wassersaeule)
- Schlafsack (Komfortbereich bis -5 °C, auch im Sommer!)
- Isomatte (R-Wert ≥ 3 fuer schottische Naechte)
- Footprint / Zeltunterlage
- Heringe fuer verschiedene Boeden (Fels, Torf, Sand)
Verpflegung & Wasser
- Gaskocher & Kartuschen (Schraubkartusche zuverlaessiger als Stechkartusche)
- Wasserfilter (z. B. Sawyer Squeeze oder Katadyn BeFree)
- Faltbare Wasserbehaelter (2–3 Liter)
- Campinggeschirr & Besteck
- Trekkingnahrung & energiereiche Snacks
Sicherheit & Navigation
- Offline-Karten: OS Maps App oder ViewRanger
- Kompass (als Backup fuer digitale Navigation)
- Erste-Hilfe-Set inkl. Zeckenzange und Blasenpflaster
- Notfall-Pfeife
- Powerbank (mind. 10.000 mAh)
Wetterschutz
- Wasserdichte Jacke & Hose (Gore-Tex oder vergleichbar)
- Warme Schichten: Fleece, Daune, Merino-Baselayer
- Muetze & Handschuhe (auch im Juni sinnvoll)
- Sonnenschutz & Sonnenbrille
- Gamaschen gegen Naesse und Morast
Komfort & Hygiene
- Midge-Kopfnetz (unbedingt zwischen Mai und September!)
- Insektenschutzmittel (Smidge oder Avon Skin So Soft)
- Stirnlampe & Ersatzbatterien
- Biologisch abbaubare Seife
- Muellbeutel & Klappspaten
Nice to Have
- Fernglas (Wildlife: Rotwild, Adler, Robben)
- Kamera mit Ersatzakkus
- Leichte Haengematte fuer Pausen
- Angel-Ausruestung (Tageslizenz vorher online kaufen!)
- Ultraleichter Camping-Stuhl
Anreise: Von Deutschland per Faehre nach Schottland
Die klassische Route fuehrt ueber die Faehre Calais–Dover und dann weiter auf der Autobahn Richtung Norden. Plant realistisch:
Empfohlene Route
- Calais → Dover: ca. 90 Minuten Ueberfahrt (P&O Ferries oder DFDS)
- Dover → M25 → M1/A1(M): Auf der M25 am London vorbei, dann ueber die M1 oder A1 nach Norden
- Bis Edinburgh: ab Dover ca. 7 Stunden reine Fahrzeit (ca. 680 km)
- Landschafts-Alternative: Ab Manchester ueber den Lake District und Carlisle – dauert etwas laenger, ist aber deutlich schoener
Tipp: Bucht eine fruehe Faehre (6–8 Uhr) und plant einen Zwischenstopp ein, z. B. im Lake District oder in York. So seid ihr abends entspannt in Schottland.
Midges – Schutz vor Schottlands Stechmuecken
Die Highland Midge (Culicoides impunctatus) ist zwischen Mai und September aktiv, mit der Hauptsaison im Juni bis August. Die winzigen Muecken treten in Schwaermen auf, vor allem morgens und abends bei wenig Wind und hoher Luftfeuchtigkeit.
So schuetzt ihr euch:
- Midge Forecast pruefen: Die Website smidgeup.com/midge-forecast zeigt die aktuelle Belastung nach Region
- Windige Plaetze waehlen: Midges fliegen nicht bei Wind ueber 10 km/h – Kuestenplaetze und Bergruecken sind besser als geschuetzte Taeler
- Helle Kleidung tragen: Dunkle Farben ziehen Midges staerker an
- Smidge oder Avon Skin So Soft: Beide gelten in Schottland als bewaehrte Mittel. DEET-haltige Sprays wirken ebenfalls gut
- Kopfnetz: Fuer die schlimmsten Tage unverzichtbar
- Zelt mit feinem Mesh: Standard-Mueckennetz reicht nicht – Midges sind nur 1–3 mm gross
Wetter & beste Reisezeit
Schottlands Wetter ist launisch – vier Jahreszeiten an einem Tag sind keine Uebertreibung. Im Westen regnet es mehr als im Osten, und die Temperaturen liegen selbst im Sommer oft nur bei 12–18 °C.
Reisezeiten im Ueberblick
- Mai & Juni: Lange Tage (bis 22 Uhr hell), Wildblumen, noch weniger Midges. Beste Gesamtzeit
- September & Oktober: Herbstfaerbung, kaum Midges, weniger Touristen. Naechte schon kuehler
- Juli & August: Waermstes Wetter, aber Midge-Hochsaison und mehr Besucher
- November–Maerz: Nur fuer sehr erfahrene Winter-Camper. Kurze Tage, Schnee in den Highlands, Temperaturen um den Gefrierpunkt
Leave No Trace – Verantwortungsvoll campen
Die Freiheit des Wild Campings haengt davon ab, dass alle sich an die Regeln halten. Gerade in den letzten Jahren haben Muell und Schaeden an einigen populaeren Spots zugenommen.
- Allen Muell mitnehmen – auch Bananenschalen, Zigarettenkippen und Feuchttuecher
- Bestehende Feuerstellen nutzen oder ganz auf Feuer verzichten; auf keinen Fall Torf verbrennen
- Geschirr mindestens 30 Meter von Gewaessern entfernt spuelen und biologisch abbaubare Seife verwenden
- Auf bestehenden Pfaden bleiben, keine Abkuerzungen durch Vegetation treten
- Wildtiere aus Distanz beobachten; weder fuettern noch verfolgen
- Den Platz sauberer verlassen, als ihr ihn vorgefunden habt
Sicherheitstipps fuer Einsteiger
- Informiert jemanden ueber euren geplanten Standort und eure Route
- Wetterbericht taeglich pruefen – Mountain Weather Information Service (mwis.org.uk) ist zuverlaessiger als Standard-Wetter-Apps
- Plan B fuer schlechtes Wetter haben: Wo liegt der naechste Bothy, Campingplatz oder Pub?
- Karte und Kompass als Backup, nicht nur auf GPS verlassen
- Als Einsteiger mit gut erreichbaren, niedrig gelegenen Spots starten
- Noetigenfalls umkehren – kein Gipfel ist das Risiko wert
- Notruf in UK: 999 (oder 112), fuer Bergrettung die gleiche Nummer waehlen und nach Mountain Rescue fragen
Haeufige Fragen zum Wild Camping in Schottland
Fast ueberall. Der Scottish Outdoor Access Code erlaubt Wildcampen auf den meisten unbebauten Flaechen. Ausgenommen sind eingezaeunte Privatgaerten, Schulgelaende und landwirtschaftlich aktiv bewirtschaftete Felder. In Loch Lomond & The Trossachs gelten zwischen Maerz und September zusaetzliche Permit-Pflichten in bestimmten Zonen.
Fuer die meisten Gebiete nicht. In den Camping Management Zones am Loch Lomond (z. B. East Loch Lomond, Loch Achray) benoetigt ihr von Maerz bis September ein Permit, das ihr online ueber die Nationalpark-Website bucht. Kosten: ca. 3–4 Pfund pro Nacht. Ausserhalb dieser Zonen und ausserhalb der Saison ist kein Permit noetig.
Mai und Juni bieten die laengsten Tage, Wildblumen und noch relativ wenige Midges. September und Oktober punkten mit Herbstfarben und deutlich weniger Muecken. Juli und August sind am waermsten, aber die Midge-Belastung ist dann am hoechsten.
Die gaengigste Route fuehrt mit dem Auto ueber Calais nach Dover (ca. 90 Min. Faehre), dann weiter auf der Autobahn nach Norden. Von Dover bis Edinburgh sind es ca. 680 km (7 Stunden Fahrzeit). Alternativ gibt es die Faehre Amsterdam–Newcastle (Uebernachtfahrt), von wo aus Edinburgh nur noch 2 Stunden entfernt liegt.
Windige Standorte waehlen (ueber 10 km/h fliegen Midges nicht), helle Kleidung tragen und Insektenschutzmittel wie Smidge oder Avon Skin So Soft auftragen. Ein Kopfnetz gehoert ab Juni in jeden Rucksack. Im Zelt hilft nur ein engmaschiges Innennetz (Midges sind nur 1–3 mm gross).
Der Access Code erlaubt offene Feuer grundsaetzlich, aber mit grossen Einschraenkungen: Nur auf mineralischem Boden (Kies, Sand, Fels), nie auf Gras oder Torf. In Trockenperioden gelten oft Feuerverbote. Am sichersten ist ein Gaskocher – so entsteht kein Schaden und ihr seid unabhaengig von Brennholz.
Bereit fuer die schottische Wildnis?
Bucht jetzt eure Faehre von Calais nach Dover und startet euer Wildcamping-Abenteuer in den Highlands.
Faehre buchen