EHIC gilt nicht mehr in England
Die Europäische Krankenversicherungskarte (EHIC) — die grüne Gesundheitskarte Ihrer deutschen Krankenkasse — ist seit dem 1. Januar 2021 für Reisen nach England, Schottland, Wales und Nordirland wertlos. Der Brexit hat das EU-Sozialversicherungsabkommen beendet.
Was das bedeutet: Als Kassenpatient in Deutschland haben Sie in England keinen automatischen Anspruch auf kostenlose oder vergünstigte Behandlung durch den National Health Service (NHS). Behandlungen — außer echter Notfall-A&E — können Ihnen in Rechnung gestellt werden.
Was der NHS für Touristen kostenlos macht — und was nicht
Der National Health Service (NHS) ist für alle steuerfinanzierten Leistungen in England zuständig. Für ausländische Besucher gelten besondere Regeln:
| Behandlung/Service | Tourist kostenlos? | Kosten ohne Versicherung |
|---|---|---|
| A&E Notaufnahme (Unfälle, lebensbedrohliche Notfälle) | Kostenlos | — |
| Ambulanz-Einsatz (Notfall) | Kostenlos | — |
| Stationäre Behandlung nach Notfallaufnahme | Teilweise | ab £1.500/Tag auf Station |
| NHS GP (Allgemeinarzt) | Nein | Privatarzt: £80–150 |
| Nicht-dringende Operationen | Nein | ab £2.000 (je nach Eingriff) |
| Rezeptpflichtige Medikamente | Nein | ca. £9,90/Rezept + Medikament |
| Zahnarzt (NHS) | Nein | NHS-Zahnarzt: £26–300 |
| Rücktransport nach Deutschland | Nein | Hubschrauber: £30.000–80.000 |
Welche Versicherungen brauche ich für England?
1. Reisekrankenversicherung (mit UK-Abdeckung)
Deckt Kosten, die außerhalb der kostenlosen NHS-Notfallversorgung entstehen: Arztbesuche, Krankenhausaufenthalte nach Notfall, Medikamente, Rücktransport nach Deutschland (das Wichtigste). Achten Sie darauf, dass UK/Großbritannien explizit eingeschlossen ist — manche europäischen Policen schließen UK nach Brexit aus.
Jahrespolice (Weltreisen): ab ca. 45–80 €/Person/Jahr
Anbieter: ADAC, HanseMerkur, Allianz Assistance, DK Versicherung, ERV
2. KFZ-Haftpflicht + Grüne Karte
Ihre deutsche Kfz-Haftpflicht gilt automatisch in UK (Großbritannien ist im Grüne-Karte-System verblieben). Dennoch: Drucken Sie die Grüne Karte (Internationaler Versicherungsnachweis) aus und nehmen Sie sie mit — bei einem Unfall in England verlangt die Polizei und die Gegenpartei diesen Nachweis. Beantragen Sie sie kostenlos bei Ihrer Versicherung.
Schutzbrief/Pannenhilfe: ADAC-Mitglieder sind weltweit inkl. UK abgesichert. Bei Kfz-Versicherungs-Schutzbriefen prüfen, ob UK enthalten ist.
3. Reiserücktrittsversicherung
Erstattet Stornokosten bei Krankheit, Unfall oder Todesfall in der Familie, bevor die Reise begonnen hat. Besonders wichtig bei teuren Fähr-/Tunnelbuchungen, Hotelreservierungen und langen Reisen. Kosten: ca. 3–5 % des versicherten Reisepreises.
4. Reisegepäckversicherung
Erstattet gestohlenes oder beschädigtes Gepäck. Prüfen Sie zuerst Ihre Hausratversicherung — diese schließt bei vielen Anbietern Reisegepäck ein (Außenversicherung). Separate Police nur nötig, wenn die Hausratversicherung keine Reisedeckung enthält.
5. Reisehaftpflichtversicherung
Deckt Schäden, die Sie im Urlaub anderen Personen oder Sachen zufügen. Gut zu wissen: Die meisten deutschen privaten Haftpflichtversicherungen (Privathaftpflicht) decken Schäden im Ausland automatisch ab — prüfen Sie Ihre Police. Eine separate Reisehaftpflicht ist selten nötig.
Was Behandlungen in England ohne Versicherung kosten
Kosten ohne Versicherung sind Schätzwerte; tatsächliche Rechnungen variieren. A&E-Notfallbehandlung ist für alle kostenlos.
Einzel- oder Jahrespolice — was lohnt sich?
| Policentyp | Geeignet für | Typischer Preis | Vorteil |
|---|---|---|---|
| Kurzreise (bis 30 Tage) | 1–2 Englandtrips/Jahr | ab 5 €/Person | Günstigste Einstiegsoption |
| Jahrespolice Europa | Mehrere Reisen/Jahr | ab 35–50 €/Person | Automatisch für jede Reise |
| Jahrespolice Welt (inkl. UK) | Vielreisende | ab 45–80 €/Person | UK oft nur in Weltpolice enthalten |
| Familienpolice (Jahres) | Familie 2+ Kinder | ab 100–150 €/Familie | Alle Familienmitglieder abgedeckt |
Kreditkarten-Reiseversicherung: Was ist drin?
Manche deutschen Kreditkarten beinhalten eine Reiseversicherung. Diese kann als Ergänzung nützlich sein — ersetzen Sie sie aber nicht für die Hauptdeckung, da sie häufig erhebliche Lücken hat:
Meist enthalten
- Reiseunfall-Versicherung
- Mietfahrzeug-Teilkasko (bei manchen Karten)
- Reiseverzögerung/Gepäckverspätung
- Basisschutz Reisekranken (nur bei Premium-Karten)
Häufig NICHT enthalten
- Medizinischer Rücktransport
- Vorerkrankungen
- Chronische Erkrankungen
- Reiserücktrittsversicherung
- UK nach Brexit (bei manchen)
Was tun im Versicherungsfall in England?
Feuerwehr, Polizei, Rettungswagen in England. Kostenloser Notruf von jedem Telefon (auch ohne SIM-Guthaben).
Bei nicht lebensbedrohlichen Beschwerden: NHS 111 anrufen (kostenlos). Englischer Service, aber viele Mitarbeiter sprechen Grundkenntnisse Deutsch.
Rufen Sie die Notfallnummer Ihrer Reiseversicherung an, bevor Sie selbst zahlen — viele Versicherungen übernehmen Kosten nur, wenn Sie vorab informiert wurden. Nummer vor der Reise speichern.
Jede Quittung, Arztrechnung, Medikamenten-Beleg und Polizeibericht aufbewahren. Fotos machen. Ohne Belege keine Erstattung.
Vorerkrankungen und chronische Erkrankungen
Wer regelmäßig Medikamente nimmt oder an einer chronischen Erkrankung leidet, sollte bei der Versicherungsauswahl besonders aufpassen:
- Ausreichend Medikamente mitnehmen: Verschreibungspflichtige Medikamente in ausreichender Menge für die gesamte Reisedauer einpacken. In England verschreibt ein NHS-Arzt keine Dauermedikamente für Touristen. Ein Privatarzt kann, aber das kostet £80–150 + Medikament.
- Medikamentenliste auf Englisch: INN-Namen (Wirkstoffnamen) aller Medikamente notieren — Handelsnamen sind in UK andere. Beispiel: "Novalgin" heißt in UK "Metamizole".
- Vorerkrankungen deklarieren: Viele Versicherungen verlangen die Angabe von Vorerkrankungen. Verschwiegene Erkrankungen können zur Ablehnung von Leistungen führen. Spezialversicherungen (z.B. über ADAC oder spezialisierte Anbieter) decken auch Vorerkrankungen gegen Aufpreis ab.
- Insulin und kontrollierte Substanzen: Bei der Einreise ein Arztzeugnis auf Englisch mitführen, das die medizinische Notwendigkeit bestätigt. Die Mengen müssen für den Reisezeitraum angemessen sein.