200 Jahre Fährgeschichte Calais–Dover: Von Dampf bis heute

Die Geschichte der Fährlinie Calais–Dover: Vom ersten Dampfschiff 1820 über Kriegseinsätze, das Wachstum zur meistbefahrenen Seero

April 2026ca. 8 Min.

Die Anfänge: Dampfschiffe und die erste Kanalüberquerung

Die Geschichte der kommerziellen Fährverbindung Calais–Dover beginnt mit der Dampfschifffahrt im frühen 19. Jahrhundert. Zuvor überquerten Reisende den Kanal in Segelbooten — abhängig von Wind und Wetter, mit Überfahrtzeiten von 4 bis 24 Stunden.

Am 25. März 1821 eröffnete das Dampfschiff Rob Roy die erste regelmäßige Dampfschiffverbindung zwischen Dover und Calais. Die Überfahrtzeit sank auf 2,5–3 Stunden — eine Revolution für den Kanalverkehr.

Erster bekannter Kanalüberquerer per Schwimmen: Matthew Webb (1875) — der erste Mensch, der den Ärmelkanal durchschwamm. Die Fähren beobachteten ihn dabei.

P&O Ferries — die Geschichte einer Ikone

The Peninsular and Oriental Steam Navigation Company (P&O) wurde 1837 gegründet und nahm schon früh die Kanalroute in Betrieb. Im 19. und frühen 20. Jahrhundert war P&O die dominante Kraft auf der Calais-Dover-Route.

Wichtige Meilensteine:

  • 1837: P&O-Gründung, erste Kanalrouten
  • 1914–1918: P&O-Schiffe als Truppentransporter im Ersten Weltkrieg
  • 1940: Dunkirchen — mehrere P&O-Schiffe bei der Evakuierung eingesetzt
  • 1968: Erste Roll-on/Roll-off-Fähren (Autos können fahren, nicht mehr gehoben werden)
  • 1987: P&O kauft Townsend Thoresen und wird dominanter Anbieter
  • 1994: Eröffnung Eurotunnel — erstmals ernsthafte Konkurrenz

Von Roll-on/Roll-off zu Superfähren

Die Roll-on/Roll-off-Revolution (RoRo) in den 1960ern veränderte die Fährfahrt grundlegend: Autos konnten nun einfach auf die Fähre fahren — kein Aufheben mehr per Kran. Die Fahrzeit am Terminal sank von Stunden auf Minuten.

In den 1970ern und 80ern explodierten die Passagierzahlen. Die Calais-Dover-Route wurde zur meistbefahrenen Seeroute der Welt — über 20 Millionen Passagiere pro Jahr.

Die Einführung der Superfähren (Schiffe mit 2.000+ Passagierkapazität) in den 2000ern brachte noch mehr Komfort: Restaurants, Shopping, Entertainment-Decks wurden Standard.

Heute: Digitalisierung, Elektromobilität und Nachhaltigkeit

Die Calais-Dover-Route steht vor einer neuen Ära:

  • Online-Buchung: Heute werden 90%+ der Tickets digital gebucht
  • Elektro-Hybridschiffe: P&O investiert in Hybridantriebe zur CO2-Reduktion
  • Effizienzoptimierung: KI-gestützte Routenplanung und Treibstoffoptimierung
  • E-Fahrzeuge: Spezielle Ladestationen und Stellplatzregeln für Elektroautos

Die Grundfrage — schnellste und günstigste Verbindung zwischen Großbritannien und Kontinentaleuropa — wird die Route noch Jahrzehnte prägen. Der Kanal ist und bleibt Europas wichtigste kurze Meeresverbindung.

Häufige Fragen

Wann wurde die erste Dampffähre Calais–Dover eingeführt?

1821 — die Dampfjacht Rob Roy eröffnete am 25. März 1821 die erste regelmäßige Dampfschiffverbindung. Vorher dauerte die Kanalüberquerung per Segelboot 4–24 Stunden.

Was hat P&O mit Dunkirchen 1940 zu tun?

Mehrere P&O-Schiffe beteiligten sich an der Evakuierung von Dunkirchen (Operation Dynamo, Mai/Juni 1940), bei der über 330.000 alliierte Soldaten von den französischen Stränden evakuiert wurden.

Was ist Roll-on/Roll-off (RoRo)?

Eine Fährtechnik, bei der Fahrzeuge auf eigener Kraft ein- und ausfahren (via Heck- oder Seitenrampe), statt per Kran gehoben zu werden. Seit den 1960ern Standard auf der Kanalroute — revolutionierte die Effizienz und ermöglichte Massentourismus.

Wie viele Passagiere nutzen die Route Calais–Dover jährlich?

In Vor-Covid-Jahren ca. 10–12 Millionen Passagiere jährlich auf der Fährroute, plus weitere Millionen durch den Eurotunnel. Die Route ist eine der meistgenutzten internationalen Seerouten der Welt.